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Malteser Halle

Bedarf an psychosozialer Hilfe steigt weiter

27.05.2015

Magdeburg. Betroffene des Hochwassers im bayerischen Deggendorf und in Teilen Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens haben mehr psychosoziale Hilfe in Anspruch genommen als im ersten Jahr nach der Katastrophe. „Erst im zweiten Jahr nach den verheerenden Überschwemmungen sind viele Menschen in der Lage, über die seelischen Schäden zu sprechen“, sagt der Präsident des Malteser Hilfsdienstes, Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin. Die Herausforderung nach einer Katastrophe bestehe darin, „das individuelle Gefühl der Hilflosigkeit zu vermeiden und für seelische Stabilität im Kampf mit den Folgen des Unglücks zu sorgen“.

 

In Deggendorf stößt das Zweier-Team der Malteser für die psychosoziale Unterstützung,  ein Psychologe und eine Sozialpädagogin, mittlerweile an seine Kapazitätsgrenzen. Allein einsetzender Regen ruft Angstzustände bei manchen der insgesamt knapp 1.000 am stärksten betroffenen Familien hervor. „Mit zwei Gesprächen in einem halben Jahr ist es nicht getan. Wir werden sicher noch bis 2016 für die Betroffenen da sein müssen“, so Brandenstein. Auch in Mitteldeutschland betreut ein Team aus verschiedenen Professionen 330 Menschen, die seelisch unter dem Hochwasser leiden. Ein Großteil davon wird von den Mitarbeitern der mobilen Sozialberatung Sachsen-Anhalt begleitet.

 

Die Malteser haben zur Untersuchung der psychosozialen Situation eine Studie in Auftrag gegeben, die wissenschaftlich gesicherte Daten zum Bedarf nach einer Katastrophe liefern soll. „Den Wiederaufbau mit Stein und Stahl berechnen wir genau. Den Wiederaufbau der Seele vernachlässigen wir bisher allzu leichtfertig“, warnt Sebastian Stiewe, Projektleiter der mobilen Sozialberatung, vor langfristigen Folgen. In der Studie soll es darum gehen, ob die Menschen eine adäquate Hilfe bekommen haben. Mit Ergebnissen wird Ende des Jahres gerechnet.

Nach Ansicht der Malteser hat sich in den vergangenen zwei Jahren herausgestellt, dass viele Betroffene materielle und finanzielle Unterstützungsleistungen ohne intensive Hilfe nicht in Anspruch nehmen. Die verunsicherten Menschen stellten Anträge erst gar nicht oder nicht richtig. Wo es bereits vor den Überschwemmungen soziale oder existenzielle Probleme gab, habe sich die Situation oft weiter erheblich verschlechtert. Brandenstein: „Ältere, allein Lebende, Kranke und sozial Schwache sind allzu oft überfordert. Sie versuchen das Problem zu verdrängen, was aber nicht geht. Nach Monaten oder Jahren bricht dann eine Wunde auf, die nur schwer wieder zu heilen ist.“

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